Dokumentation Praxisforen

Hier finden Sie die Dokumentation der auf dem Kongress 2016 angebotenen Praxisforen einschließlich der Materialien der Referent/-innen.

 

Forum I: Multiprofessionelle Teamentwicklung: Erfolgsfaktoren für die Zusammenarbeit in der Schule mit Dr. Elmar Phillip

 

In dem Forum "Multiprofessionelle Teamentwicklung" gingen die Teilenhemenden Fragen schulinterner multiprofessioneller Zusammenarbeit nach. Als Einstieg diente der Film „Kampf um den Südpol“. Der Polarforscher Roald Amundsen und der Brite Sir Ernest Scott führten beide mit sehr unterschiedlichen Strategien und Mitteln ihr Team zum Südpol. Amundsens Erfolgskriterien dabei: 

  • Konzentration auf das Wesentliche
  • Vorerfahrung
  • vorausschauendes Planen (strategisches und systemisches Denken)
  • gute Ausbildung und Multiprofessionalität („Allrounder und Spezialisten“)
Aber was haben dieser Film und Amundsen Erfolgskriterien mit der Schule in der heutigen Zeit zu tun? Wo finden sich Parallelen? In seinem Vortrag geht Elmar Phillip intensiver auf Teamrollen nach Meredith Belbin ein und beschreibt die Notwendigkeit, Kommunikation im Team zu unterstützen und zu pflegen.
Hierzu verweist er auf hilfreiche Tools, die in seiner angefügten Präsentation zu finden sind.
 
Ein abschließendes Zitat von Heinz Rodenbusch schließt den Vortrag ab: „Wir müssen uns auf die Schatzsuche begeben und nicht auf die Defizitsuche!“
 
 

 

 

Forum II: "Wann können wir miteinander reden?" Innerschulische Kooperation in der Ganztagsschule mit Thomas Anke, Stephanie Wolf und Susanne Hoffmann-Michel

 

Das Forum begann mit der Vorstellung zweier Konzepte, die beispielhaft für gut funktionierende Zusammenarbeit an Ganztagsschule stehen: vorgestellt wurden die Grundschule Eichholz in Lübeck durch Stephanie Wolf (Schulleiterin) und Thomas Anke (stellvertretende Leitung Schulkinderhaus Grundschule Eichholz) und  die Stadteilschule Öjendorf durch Susanne Hoffmann-Michel (Sozialpädagogin des schulinternen Beratungsdienstes). In der sich anschließenden Diskussionsrunde konnten die Teilnehmer/-innen unter Moderation der Referenten das Gehörte auf ihre jeweilige Arbeitssituation beziehen.

Frau Wolf und Herr Anke stellten die verschiedenen Kooperationsformen und Kommunikationsstrukturen zwischen der Schule und dem Schulkinderhaus dar. 2007 wurde der langwierige, aber inzwischen überaus erfolgreiche Prozess eingeleitet, in dem alle Mitarbeiter/-innen – von den Lehrkräften, Schulsozialarbeiterinnen, Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Erzieherinnen und Erziehern über Heilerziehungspfleger/-innen und weitere Professionen – beteiligt waren und sind.Kernstück der vielschichtigen Kooperationen sind vor allem die multiprofessionellen Klassenteams aus Lehrkräften und Integrationshelfern. Letztere sind den ganzen Tag in der Schule. Die Teams treffen sich einmal wöchentlich, die Zeiten dazu werden individuell vereinbart.

Frau Wolf und Herr Anke empfehlen unbedingt vor dem Arbeitsbeginn Gespräche im Team über die Vorstellung der Zusammenarbeit, die unterschiedlichen Arbeitsweisen und -haltungen zu führen. Sonst können Gewohnheiten der einen oder anderen Profession (als Beispiel wurde ein Integrationshelfer benannt, der mit seinem Kaffee in den Unterricht kam) zu ungewollten Konflikten führen. Die Rollenklärung benannten sie als einen nie endenden Prozess. Frau Wolf riet davon ab, gut funktionierende Teams zu trennen.

Darüber hinaus legten Herr Anke und Frau Wolf noch einmal die Wichtigkeit gemeinsam durchgeführter Schulentwicklungstage und besuchter Fortbildungen dar. Denn Lehrkräfte betrachten, reflektieren, handeln in Situationen anders als bspw. Heilerzieher/-innen. Den Austausch über das pädagogische Handeln ermöglicht einen Perspektivwechsel, der allen Beteiligten neue Erkenntnisse ermöglicht und von den Mitarbeiter/-innen der Lübecker Schule als überaus gewinnbringend bewertet wird.

Susanne Hoffmann-Michel referierte über die Struktur der multiprofessionellen Teams an ihrer Schule, der Stadtteilschule Öjendorf in Hamburg. Hier arbeiten die Teams beispielsweise in einem Arrangement, das als „Jahrgangsteams 5“ benannt ist. Es beinhaltet regelmäßig wiederkehrende Treffen von Klassenleiter/-in, Sozialpädagoge/-in und Sonderpädagoge/-in, die eine fünfte Klasse übernehmen werden. Getroffen wird sich schon vor Beginn des Schuljahres; während des Schuljahres findet einmal in der Woche ein Austausch des Teams über die Klasse statt. Ebenfalls einmal pro Woche treffen sich die Teams auf Jahrgangsbasis mit der Abteilungsleiterin. Einmal im Monat verabredet sich das Team, um Organisatorisches zu klären. Vier Jahrgänge sind bereits auf die Weise organisiert, die folgenden wachsen nach und nach hoch. 

Diese Modelle in Gänze auf die eigene Situation anzuwenden, ist sicher nicht allen Teilnehmern möglich, wie Susanne Hoffmann-Michel feststellt: „Ich habe an meinem Tisch bemerkt, wie frustrierend es sich für manch einen anfühlt, wenn es an der eigenen Schule kaum kooperative Formen erkennbar sind, die Praxisbeispiele einem wie unerreichbare Visionen vorkommen“. Dennoch betont sie die Gewichtung der inneren Einstellung: „Mir ist klar geworden, dass es bei der schwierigen Ressourcenlage ganz stark auf die Überzeugung ankommt. Man muss es erst einmal ganz weit oben auf die Agenda stellen und dann einen ersten Schritt erfolgreich hinbekommen. Ich denke, dann geht es immer weiter. Aber der erste Schritt, die erste erfolgreiche Umsetzung ist manchmal nicht so einfach hinzubekommen“. 

Die Powerpoint-Präsentation von Stephanie Wolf von der Grundschule Eichholz finden Sie hier: PPT Kommunikation
 
 

 

Forum III: "Ich arbeite seit 30 Jahren allein". Ganztagsschule als Teamaufgabe – Haltungen sichtbar machen und multiprofessionelle Teamarbeit einleiten. Mit Jochen Arlt und Renate Buschmann

 
Im Forum „"Ich arbeite seit 30 Jahren allein" hatten die Referent/-innen Jochen Arlt (ehemaliger Lehrer und Schulleiter der Fritjof-Nansen-Schule Flensburg) und Renate Buschmann (ehemalige Lehrerin und Stufenleiterin der Fritjof-Nansen-Schule Flensburg) ursprünglich die Idee, dass sich die Teilnehmenden mit ihren jeweils unterschiedlichen professionellen Hintergründen über ein Rollenspiel mit den gegenseitigen Perspektiven und Erwartungen auseinandersetzen und daraus Handlungsschritte ableiten.
 

Die circa 20 Teilnehmenden des Forums III waren jedoch in der Vielzahl Ganztagskoordinator/-innen – und konterkarierten damit die Planung der Referent/-innen. Dafür gab es nun aber Gelegenheit, von den jeweiligen Erfahrungen an der eigenen Schule zu berichten, um daraus mögliche Anregungen für die eigene Praxis abzuleiten.

Schnell spitzten sich die Beschreibungen auf eine Erkenntnis zu: zahlreiche der Koordinator/-innen und pädagogischen Mitarbeiter/-innen im Ganztag fühlen sich im Arbeitsalltag allein gelassen und als von den Lehrkräften wenig unterstützt und wahrgenommen. Was für den einen oder die andere vielleicht ermüdend wirkte, war für andere Unterstützung und eine wohltuende Erkenntnis: das Wissen darum, dass auch andere in derselben Situation arbeiten und auf dieselben Probleme stoßen.

Die Gründe für diese Situation liegen auch bei den Schulen, so Buschmann. Viele Schulen würden nach wie vor ausschließlich die Organisation des unterrichtlichen Schulalltags verfolgen – Zusammenarbeit mit dem pädagogischen Personal am Nachmittag stehe dabei zunächst im Hintergrund. Die Chancen eines engen Austauschs und der Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Akteuren einer Ganztagsschule müssen oftmals erst erkannt werden.
Sie schlägt daher vor, vorhandene Gremien gemeinsam zu nutzen und über gemeinsame Themen Konzepte zu entwickeln, die in Kooperation umgesetzt werden. Als mögliche Beispiele nannte die Referentin die Erledigung der Hausaufgaben, das soziale Lernen als allgemeines Handlungsfeld sowie die Berufsorientierung.
 
Zum Abschluss wiesen die Referenten auf eine Veröffentlichung von Peter Balnis hin:
„Arbeitsfelder sozialpädagogischer Fachkräfte in Ganztagsschulen“. In: Arbeitsplatz Ganztagsschule – pädagogisch wertvoll! Handreichung für die sozialpädagogische Arbeit an Ganztagsschulen, Frankfurt am Main 2008, S. 51-82. 
 
 

 

Forum IV: „Wir wollen ein Stück näher rücken!“ – Jugendarbeit und Schule mit Eike Binge und Stefan Clotz

 
In einem gemeinsamen Brainstorming haben die Teilnehmenden des Workshops aus ihren unterschiedlichen Erfahrungen sowohl Erfolge als auch Stolpersteine in der Kooperation zwischen Schule und Jugendarbeit zusammengetragen.
 
 
Dabei fokussierte die Diskussion immer wieder darauf, wie es gelingen kann, auch die Prinzipien der offenen Kinder- und Jugendarbeit, wie z.B. Freiwilligkeit und Partizipation in den Schulalltag zu integrieren.
 
Bei allen guten Praxisbeispielen wurde deutlich, dass die Jugendarbeit zusätzliche Ressourcen benötigt, um gut in Schule wirken zu können. Und auch: Viele Schulen sind nicht nur ein Stück näher gerückt, sondern haben sich geöffnet und entwickeln Ganztagsschule gemeinsam mit allen Beteiligten weiter.
 
 

 

Forum V: Kulturkooperationen zwischen Schulen und ihren Partnern - Potentiale für die Gestaltung von Ganztagsschulen mit Marion Nagel und Ute Kohrs

 
Beschreibung und Material folgen
 

 

Forum VI: Qualität gemeinsam weiterentwickeln: Das Lübecker Konzept „Ganztag an Schulen“ – Zusammenarbeit von Schulen, Schulträger und Schulamt bei der Qualitätsentwicklung von Ganztagsschule mit Volkert Brammer, Helge Daugs, Joachim Karschny, Henning Laue und Sonja Rieper

 
Im mit circa 40 Teilnehmenden sehr gut besuchten Forum „Qualität gemeinsam weiterentwickeln“ wurde das Lübecker Konzept „Ganztag an Schulen“ – Zusammenarbeit von Schulen, Schulträger und Schulamt bei der Qualitätsentwicklung von Ganztagsschule vorgestellt.
Sonja Rieper vom Schulträger, Schulrat Helge Daugs, Joachim Karschny vom Träger KinderWege gGmbH und Schulleiter Henning Laue von der Bugenhagen-Schule schilderten den Prozess von seiner Entstehung bis heute.
 

Als besonders hilfreiches Instrument für dessen Umsetzung nannte Schulleiter Laue den Schulentwicklungstag. Weiterhin zeigte er sich von der hohen Qualität des Trägers KinderWege gGmbH beeindruckt und fühlt sich bei diesem Träger in guten Händen.

Joachim Karschny wies darauf hin, dass eine Konkurrenz vor Ort nicht zielführend sei, sondern vielmehr nur eine Zusammenarbeit aller Beteiligten zum Erfolgt führe. Schulrat Daugs unterstrich diesen Gedanken und ergänzte, dass die Ganztagsschulen am Leitgedanken arbeiten müssen im Sinne von „Wir haben keine Ganztagsschule, wir sind eine Ganztagsschule“.

Allen Referent/-innen lagen die „Lernzeiten“ als Weiterentwicklung der Hausaufgabenbetreuung sehr am Herzen. Hier wünschten sich alle Beteiligten die Möglichkeit der Teilnahme von Lehrkräften. Sie machten die Notwendigkeit von qualifiziertem Personal im Ganztag als Voraussetzung für gute Ganztagsschule und für die Qualität der Angebote deutlich. Dies sei entsprechend auch ein Ziel der Lübecker Initiative.

Als Fazit wurde benannt, dass sich Ganztagsschulen nur qualitativ weiterentwickeln können, wenn alle Akteure in der Kommune gemeinsam daran arbeiten. Unterschiede zwischen den städtischen und ländlichen Kommunen müssten dabei individuell gehandhabt werden.
 
 
 
 
Thema
»